Waldbaden: Übersicht, Definition, was du wissen solltest, Tipps für den Einstieg!

Waldbaden? Hast du davon schon mal gehört? Vermutlich, denn das Baden im Wald ist ein immer stärker werdender Trend. Wie wir finden auch absolut zurecht. Der Begriff Waldbaden lässt ja eigentlich schon gut zu, sich ein ordentliches Bild zu machen. Damit es beim Waldbaden etwas gesitteter zugeht, machen wir dir heute mal den Waldbademeister und beantworten die gängigsten Fragen rund ums Thema.

Schön schön, aber was ist Waldbaden denn nun genau? Das klären wir jetzt.

Waldbaden oder im Original auch Shinrin-Yoku ist eine aus den 80ern stammende Therapieform aus Japan. Inzwischen ist es ein international stattfindender Gesundheitstrend. Hier kannst du schauen was Wikipedia dazu sagt.

Waldbaden nennt man das bewusste Erleben des Waldes. Das Aufsaugen und achtsame Wahrnehmen der Waldatmosphäre. Das heißt es ist eine Übung zum Abschalten und zum Entschleunigen. Kurzum, Waldbaden ist ein Besuch im Wald. Kein Spaziergang, keine Wanderung, ein Besuch im Wald mit dem alleinigen Ziel, den Wald mit den eigenen Sinnen zu erleben und sich selbst herunter zu fahren.

Es kann von Ruhe und Aufmerksamkeit auf besonders schöne Plätze bis hin zum Umarmen von Bäumen reichen. Auch das Aufnehmen von Blättern und das Berühren des Waldbodens mit deinen Fingern gehört oft zum Shinrin-Yoku. Waldbaden ist Teil der natürlichen und ökologischen Therapie und kann als eine Form der „urbanen Entgiftung“ bezeichnet werden.

Waldbaden

So wie Baden im Wasser deinen Körper reinigt kannst du dir das Waldbaden als eine Art Reinigung deiner Seele vorstellen. Autsch, das klang pathetisch. Aber du verstehst bestimmt was ich meine.

Wie funktioniert Waldbaden?

Waldbaden funktioniert ganz einfach. Suche dir einen Wald aus, der ruhig ist, oder zumindest eine ruhige Stelle im Wald. Du solltest weder den Straßenlärm hören noch ständig andere Waldbesucher treffen. Dann kann das Bad auch schon losgehen. Wie oben gesagt, möchtest du beim Waldbaden ja den Wald mit deinen Sinnen erleben. Das heißt, du musst dir vorab keine Wanderroute raussuchen oder auf andere Art ein Ziel setzen. Schalte dein Smartphone aus oder in den Flugmodus und spaziere langsam durch den Wald. Dabei achte auf alle Details um dich herum. Wie klingt der Wald, wie riecht der moosige Waldboden, wie fühlen sich Blätter zwischen deinen Fingern oder Rinde auf deiner Haut an. Erlebe den Wald, als würdest du ihn zum ersten Mal erleben.

Achte nicht darauf, ob deine Kleidung oder deine Hände schmutzig werden. Überlege nicht, wie lange du schon im Wald bist oder was du später noch erledigen willst. Lass dich einfach in den Moment fallen und konzentriere dich nur auf das Erleben deiner Sinne. Wenn du möchtest, zieh die Schuhe aus und spaziere abseits der Wege ein Stückchen in den Wald. Spürst du das Moos und die kleinen knackenden Ästchen unter deinen Füßen? Sehr gut. Du bist schon mitten im Waldbaden. Du kannst dich auch auf den Boden legen oder auf eine Decke oder in deine Hängematte und ein wenig ausruhen. Schau ins Blätterdach, sieh, wie sich die Äste und Blätter bewegen und lausche dem Rauschen der Natur.

Das klingt vielleicht nicht „nach viel“, es kann aber tatsächlich eine ziemlich zeitfüllende und wundervolle Sache sein. Es ist auch etwas völlig anderes, eine normale Wanderung oder einen Spaziergang durch den Wald zu machen. Beim Waldbaden geht es nicht um das erreichen von etwas, sondern um das Loslassen und entschleunigen.

Wie benötige ich dafür?

Das ist ja gerade das Herrliche! Zum Waldbaden benötigst du nicht mehr als etwas Zeit und einen Wald. Während Zeit manchmal schwer zu kriegen ist, ist der Wald immerhin absolut kostenlos. Darüber hinaus benötigst du zum Waldbaden weder bestimmte Kleidung noch besondere Schuhe oder sonstiges Equipment. Ich empfehle dir in jedem Fall bequeme Kleidung die auch mal schmutzig werden darf. Es bringt ja keine Entspannung wenn du dir ständig sorgen um Grasflecken auf deiner Lieblingshose machen musst. Alles was zum Waldbaden nötig ist, wurde dir von der Natur bereits mitgegeben. Dein Körper und deine Sinne.

Was bewirkt Waldbaden?

Waldbaden soll dich einfach mal wieder erden. Mal abschalten, mal runterfahren! Beim Waldbaden geht es um Entspannung. Es ist vergleichbar mit den Effekten einer Meditation und kann auch wunderbar mit einer Meditation verknüpft werden. Das Waldbaden entfaltet seine therapeutische Wirkung durch das Loslassen vom Alltag und dem Stress der vernetzten Welt. Lasse dich auf die Ursprünglichkeit der Natur ein und versuche einfach nur im Moment zu bleiben – so wirst du automatisch entspannt.

Seit den 1990er Jahren wird die medizinische Wirkung von Shinrin-Yoku in Japan von der Wissenschaft beobachtet und gilt daher inzwischen als gut erforscht. Neben Japan gibt es auch in anderen Ländern echte „Heilwälder“. Forschungen in Japan zeigen nicht nur, dass der Druck auf den Menschen durch den Aufenthalt im Wald deutlich abnimmt.. Bewusstes Waldbaden wirkt sich auch positiv auf Blutdruck, Blutkortisolspiegel und Puls aus. Einige dieser Werte sanken bereits nach einem einstündigen Aufenthalt im Waldgebiet. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Wälder einen positiven Einfluss auf das Immunsystem haben können. Parallel dazu führen auch Wälder in Europa und Deutschland entsprechende Studien durch. Die Wissenschaftliche Grundlage für den Erfolg von Waldbaden ist also durchaus gegeben.

Waldbaden
Waldbaden

Kostet das Baden im Wald etwas?

Waldbaden kostet gar nichts. Es darf eigentlich auch gar nichts kosten und das ist auch gut so. Warum solltest du dafür bezahlen, die Natur zu genießen? Im Normalfall benötigst du nichts zum Waldbaden und kannst dieses Gefühl auch ganz alleine erleben. Dennoch gibt es immer mehr Anbieter fürs Waldbaden.

Für was du dort im konkreten Fall bezahlst, kann sehr unterschiedlich sein. Wenn dir die Natur fremd ist, dir vielleicht sogar Angst machst, du nicht gerne alleine bist oder gut alleine sein kannst, kann es hilfreich sein, sich eine professionelle Führung oder Begleitung fürs Waldbaden zu suchen. Gerade für die ersten Male kann das eine gute Hilfe sein. Du bist also weder doof noch ungewöhnlich, wenn du das Waldbaden professionell „lernen“ willst. Achte aber darauf, dich hier genau zu informieren, um einen Anbieter zu finden, der wirklich zu dir passt.

Wer darf Waldbaden anbieten?

Diese Frage wurde uns inzwischen öfters gestellt. Um ehrlich zu sein, finde ich die Frage etwas befremdlich. Jeder darf es anbieten. Denn Waldbaden ist kein geschützter Begriff und sollte es auch nicht sein. Genauso sollte Waldbaden kein Trend sein, der zum Geschäftemachen da ist. Natürlich gibt es gute Anbieter von begleitetem Waldbaden. Für den ein oder anderen ist das sicherlich auch eine gute Sache, um geführt Achtsamkeit zu lernen und einen größeren Effekt aus dem Waldbaden zu ziehen.

Achte bei der Auswahl deines Waldbaden Anbieters auf eine seriöse Website, ein vollständiges Impressum und Referenzen und Abschlüsse des Anbieters. Das ist zwar keine Garantie, aber immerhin eine kleine Absicherung.

Wie oft sollte man im Wald baden?

Zur Häufigkeit des Waldbadens gibt es keine Obergrenze. Die positiven Effekte des Waldbadens lassen sich natürlich auch nicht durch tägliches Waldbaden in die Unendlichkeit steigern. Wenn du regelmäßig in den Wald gehst, wirst du früher oder später ein Gefühl dafür bekommen, wann dir mal wieder ein Waldbad guttun würde. Wenn du zu oft gehst, wirst du vielleicht sogar den Effekt schmälern, weil es dir nicht mehr so besonders erscheint und deine Gedanken dann doch wieder abschweifen.

Was auf keinen Fall passieren sollte, ist, sich aus dieser schönen Art zu entspannen einen Druck zu machen. „Ich muss noch unbedingt waldbaden, will ja jede Woche gehen!“ oder sonstige fixe Projekte bringen nur Unruhe und sollten daher vermieden werden.

Übrigens, selbst wenn du es nur ganz selten zum Waldbaden schaffst, ist das kein Problem. Auch ein einziges Waldbad im Jahr wird dir schon guttun, versprochen!

Unsere Tipps für den Einstieg

Waldbaden geht auch bei schlechtem Wetter

Ich finde es ganz besonders schön, bei starkem Regen Waldbaden zu erleben. Das setzt einen dichten Wald mit stabilem Blätterdach voraus. Wenn du unter den Bäumen bist und den Regen nur hörst und kaum zu Gesicht bekommst, ist das ein ganz besonderes Gefühl. Wie Regen in einem guten Zelt oder in einem Dachstuhl zu erleben. Das Prasseln des Regens, die veränderte Luft und der Geruch von Regen machen das Bad im Wald so zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Zu zweit genießen

Du musst übrigens nicht immer alleine Waldbaden. Wenn du jemanden hast mit dem du auf einer Wellenlänge schwimmst kannst du auch wunderbar zu zweit Waldbaden erleben. Manchen fällt das etwas schwer weil man zu zweit doch gerne mal ins Schnacken kommt. Aber mit etwas Übung und der richtigen Absprache kann das gemeinsame Erleben des Waldes eine besonders verbindende Erfahrung sein. Gerade in einer Partnerschaft finde ich die gemeinsame Zeit beim Waldbaden besonders intim und verbindend.

Baden im Wald
Waldbaden
Baden Forest

Sei frei!

Beim Waldbaden empfinde ich die Haptik des Waldes als etwas ganz besonders. Denn das Gefühl auf der Haut von einem Moos bewachsenen Boden oder die frische Kühle von Tau ist etwas, dass man nicht alle Tage erlebt. Also versuch doch mal an einem warmen Tag etwas mehr Hautkontakt mit dem Wald zu finden. Keine Sorge, du musst dich natürlich nicht nackt ausziehen! Also, du darfst natürlich schon wenn du niemanden belästigst und dich wohl fühlst. (Geheimtip!) Doch fürs erste reicht es schonmal eine kurze Hose zu tragen und ggf. dein Oberteil abzulegen wenn du im Wald liegst. Damit gönnst du dir auf jeden Fall ein ganz besonders Stück Freiheit.

Mach keine große Sache draus

Du musst aus dem Waldbaden keine große Sache machen. Du musst dich nicht lange vorbereiten oder bei google ewig nach dem perfekten Wald suchen. Geh einfach raus und probier es mal aus. Vielleicht wird es dir direkt besser gefallen, als du dachtest. Man kann beim Waldbaden wenig falsch und viel richtig machen. Am Ende zählt eh nur, was sich für dich gut und richtig anfühlt. Also: Raus mit dir!

Fazit: Waldbaden ist gesund und muss nichts kosten.

Felix Autor

Waldbaden ist eine besondere Form der Wanderung. Weil du kein Ziel hast, keinen Druck etwas zu erreichen und es nahezu keine Planung erfordert. Es ist, wenn man sich gemütlich einpackt, bei jedem Wetter möglich und so ziemlich für jeden geeignet.

Klar gibt es geführte Waldbade Erlebnisse, aber für die meisten Menschen ist dies nicht unbedingt nötig. Doch auch hier gilt, tu, was dir gut tut und hör nicht zu sehr auf meine Meinung. Wir möchten generell nichts vorschreiben und geben nur Tipps. Darauf zu achten ist gerade bei etwas so individuellem wie dem Waldbaden besonders wichtig.

Vielleicht bist du schon erfahren im Waldbaden, das würde mich natürlich freuen. Vielleicht hast du aber hier aber auch etwas Neues gelernt und Lust, jetzt einmal Waldbaden auszuprobieren? Dann raus mit dir! Genieß die Natur.