Im Interview mit Ida Didinger über Weinbau am Bopparder Hamm

Wenn du schon auf dem Rheinsteig oder dem RheinBurgenWeg unterwegs warst, bist du vielleicht am wunderschönen Boppard oder am gegenüberliegenden Osterspai vorbei gekommen. Dabei sind dir sicher die Steilhänge aufgefallen, auf denen Weinbau betrieben wird. Eins der Weingüter, die auf dem sogenannten Bopparder Hamm anbauen, ist das Weingut Didinger. Im letzten Oktober hatte ich die Chance, Ida Didinger kennenzulernen. Kurz nach unserem Treffen auf dem Bloggerwandern des Landes Rheinland-Pfalz entstand dieses Interview.

Neben dem Interview habe ich noch zwei Wandertipps für Boppard und Osterspai vorbereitet!

Das Weingut Didinger ist ein Familienbetrieb aus Osterspai. Die Familie Didinger (siehe Foto v. l. n. r.: Jens, Veronica, Ida, Cäcilia) baut jedoch nicht in Osterspai an, sondern direkt auf der gegenüberliegenden Seite des Rheins. Dort liegt der Bopparder Hamm, die größte zusammenhänge Rebfläche am Rhein. Hier bewirtschaftet die Familie Didinger ca. 5 ha Fläche in der Steillage. Da der Hang zu steil für Traktoren oder Ähnliches ist, wird die gesamte Fläche von den Didingers in 100% Handarbeit bewirtschaftet.

Wie du dir sicher vorstellen kannst, ist die Bewirtschaftung in Handarbeit einer solchen Fläche etwas, dass absolute Leidenschaft und Liebe zum Produkt voraussetzt. Allem voran auf jeden Fall eine ganze Menge harte Arbeit. Im Gegensatz zu Ida Didinger habe ich nicht Weinbau und Oenologie studiert. Trotzdem kann man sich die harte Arbeit im Hang sehr gut vorstellen. Falls du mal vorbei kommst, schau dir den Hang genau an und stell dir vor, wie oft du diesen rauf und runter laufen musst um 5 ha Fläche zu bewirtschaften.

Ehrlich gesagt wundere ich mich trotzdem immer darüber, wie ein so aufwendiges Produkt für so kleines Geld (in der Regel unter 10 Euro) seinen Weg in die Regale finden kann. Das die Weine vom Bopparder Hamm ausgezeichnet sind, hat das Weingut Didinger übrigens mehrfach bewiesen. So konnte Ida Didinger zusammen mit ihrer Familie 2020 beim Wettbewerb „Best of Riesling“ in der Kategorie Restsüß den 1. Platz und den 3. Platz in der Kategorie Feinherb sichern.

Für mich ist damit der Wert von echter Handarbeit erneut bewiesen. Wenn du in Osterspai unterwegs bist, solltest du unbedingt bei dem Weingut Didinger Vorbeischauen und auf einen Riesling oder etwas zu essen im Gutsausschank halt machen. Dabei genießt du dann den direkten Blick über den Rhein auf das Anbaugebiet der Familie Didinger.

Warum ein Interview mit Ida Didinger?

Eigentlich geht es auf unserem Blog in erster Linie natürlich ums Wandern. Keine Sorge daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Wie schon gesagt hatte ich beim Bloggerwandern 2020 die Chance, Ida kurz kennenzulernen.

Dort hat sie uns bei einer Weinverkostung zusammen mit zwei anderen Winzern Weine aus der Region vorgestellt. Alle drei Winzer haben an diesem Abend mit einer irren Begeisterungsfähigkeit über Ihre Produkte und ihre Arbeit gesprochen. Doch Ida hat mich mit ihrem leidenschaftlichen Plädoyer für die Region, das Handwerk und die vorangegangen Generationen an Winzern absolut umgehauen.

Den Bopparder Hamm hatte ich wenige Wochen vorher erst bei einer Wanderung auf der Rheinsteig Etappe 12 kennengelernt. Während der Wanderung bei fast 30 Grad hatten wir uns schon gefragt, wie die Arbeit auf so einem Hang wohl abläuft. Die Gedanke an die Arbeit auf dem Hang, der erfrischende Riesling und die Energie von Ida bei der Weinprobe haben einfach absolut zusammengepasst.

Über das Weingut Didinger könnt ihr euch übrigens neben der offiziellen Website auch auf dem Instagram Kanal der Didingers informieren.

Genug geschwärmt: Auf zum Interview!

Das Interview mit Ida Didinger

Einige Weingüter haben mit dem Problem zu kämpfen, die Nachfolge zu regeln. Das Weingut Didinger muss sich in dieser Hinsicht ja scheinbar keine Sorgen machen. War es für Dich je eine Überlegung Wert etwas völlig anderes zu machen oder die Heimat zu verlassen?

Nach dem Abitur war mir sehr schnell klar, dass ich auf jeden Fall etwas mit Wein machen möchte. Zunächst wollte ich IWW (Internationale Weinwirtschaft) studieren. Um den Betrieb aber übernehmen zu können wurde es dann Weinbau und Oenologie in Geisenheim. Ich denke man muss irgendwann die Heimat verlassen zum Beispiel zum Studieren oder für Praktika. Ich war ein halbes Jahr in Südafrika, diese Zeit möchte ich nicht missen. Trotzdem war es danach schön, daheim einzusteigen. Man weiß seine Heimat danach noch mehr zu schätzen. Durch meinen Freund Johannes Höfler, der ebenfalls ein Weingut hat, habe ich noch eine zweite Heimat in Franken gefunden.

Die Weine vom Bopparder Hamm sind renommiert und können regelmäßig Preise einfahren. So wie auch in diesem Jahr den Best-of-Riesling. Doch eine gute Lage allein reicht wohl kaum aus. Was ist Deiner Meinung nach das Erfolgsrezept der Winzer am Bopparder Hamm?

Ich kann hier nur für uns sprechen: Wir machen Weine deren Herkunft man schmeckt. Wir ernten im Bopparder Hamm Rieslinge aus drei Einzellagen. Damit jede Lage Ihren Charakter und ihr Terroir zeigen kann nutzen wir die Spontangärung. Das scheint auch den Juroren bei großen Wettbewerben zu gefallen.

Neben den Weinen, die unter dem Didinger Label laufen, hast Du noch ein eigenes Projekt aus Leidenschaft. Die 2Samkeit Weine. Erzähl doch mal, was es damit auf sich hat und welche besondere Herausforderung eine solche Zusammenarbeit bietet.

2samkeit Weine ist eine Weinkooperation und eine Herzensangelegenheit. Mein Freund Johannes Höfler und ich verbinden damit nicht nur den Main mit dem Rhein sondern auch die Anbaugebiete Franken und Mittelrhein.

Mein Freund sitzt mit seinem Weingut in Alzenau, sein Heimatort gehört zu Bayern, ist aber nah an der Hessischen Grenze. Von seinen Weinbergen aus kann man die Skyline von Frankfurt sehen. Mein Betrieb liegt in Osterspai, wie schon erwähnt im Mittelrheintal zwischen Boppard und Koblenz.

Mit unserer 2samkeit Weinlinie möchten wir Kunden in beiden Weingütern den jeweils anderen Betrieb klassisch durch einen Wein vorstellen. In der 2samkeit Kooperation sind bisher 2 Weine und ein Sekt entstanden:

Johannes hat dazu einen Spätburgunder klassisch trocken im Barriquefass ausgebaut. (Preis ab Hof 16,00 €) Von mir gibt es einen trockenen Riesling aus dem Bopparder Hamm. (Preis ab Hof 13,50 €)

Ida Didinger

Gemeinsam haben wir uns den Wunsch nach einem Winzersekt erfüllt: hier haben wir eine Cuvée aus Riesling von Johannes und Riesling von mir zusammengestellt. Dieser Sekt wurde nach der Méthode champenoise hergestellt. (Preis ab Hof 16,00 €)

Beide Weine und den Sekt gibt es auf beiden Weingütern oder in unseren Online Shops.

Weingut Höfler
Albstädter Str. 1
63755 Alzenau

www.weingut-höfler.de

Weingut Didinger
Rheinuferstr. 13
56340 Osterspai

www.weingut-didinger.de

Ida Didinger Boppard
Didinger Weingut

Obwohl der Weinanbau Tausende Jahre alt ist, gibt es immer wieder Veränderungen. Denn alle Bereiche unterliegen Trends und Kundenwünsche ändern sich regelmäßig. Ein bekanntes Beispiel in der Kulinarik ist der Craft Bier Trend. Was sind Deiner Meinung nach die neusten Trends in der Weinwelt?

Es gibt viele neue Trends, diese jetzt hier aufzuzählen und zu erklären würde den Rahmen sprengen.

Ein Trend ist vielleicht auch die schon oben erwähnte Spontangärung. Hier dürfen die natürlichen Hefen, die im Weinberg und im Keller vorhanden sind arbeiten, das heißt den Most zu Wein vergären. Das Gegenteil hierzu wäre die Zugabe von industriell hergestellten Reinzuchthefen.

Für uns ist diese Spontangärung allerdings kein Trend sondern eine Überzeugung. Mein Vater nutzt diese seit er in den 90er Jahren den Betrieb übernommen hat sehr erfolgreich. Dass jetzt auch andere Betriebe dieser Art der Vergärung nutzen, könnte man als Trend bezeichnen.

Es gibt immer neue Trends, die Frage ist, sind diese wirklich neu? Oder sind es eigentlich Ausbautechniken, die vielleicht unsere Eltern oder Großeltern schon genutzt haben, die dann aber durch neue Kellertechnik einfacher und besser wurden und jetzt von der jungen Generation wieder genutzt werden.

Wie durch das deutsche Reinheitsgebot beim Bier, gibt es einige Regeln in der Welt des Weines, die festlegen, was erlaubt ist und was nicht. Siehst Du trotzdem genug Spielraum für Kreativität oder ist Dir dieses Korsett als junge Winzerin manchmal zu eng?

In Deutschland gibt es das Deutsche Weingesetz und es ist gut dass wir dieses haben. Es muss Regeln geben, die gerade uns kleine Anbaugebiete wie den Mittelrhein und die Herkunft unserer Weine die aus der Steillage kommen schützen.

Ich habe hier genug Spielraum für den Ausbau meiner Weine.

Als Steillagen-Winzerin sind Wanderungen mit Höhenmetern für Dich ja vermutlich keine Schwierigkeit. Hast Du einen Geheimtipp für eine besonders schöne Wanderung in Deiner Heimat oder eine Art Lieblingsroute?

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich erst im Frühjahr beim ersten Lockdown zum ersten Mal den Rheinsteig gewandert bin. Aber ich war begeistert! Sonst wandere ich ja den Steilhang im Bopparder Hamm hoch und runter und genieße dabei den schönsten Ausblick auf den Rhein ☺

Der innerdeutsche Tourismus gewinnt dankenswerterweise zunehmend an Wichtigkeit. Was spricht aus Deiner Sicht besonders für einen Urlaub im Mittelrheintal?

Ich bin kein Fan von DSDS und Dieter Bohlen, aber die neue Staffel wurde auf einem Schiff direkt vor unserer Haustür gedreht. Er sagte im Interview: Die Menschen, die am romantischen Mittelrhein zwischen den Weinbergen wohnten, müssten wirklich glücklich sein, sagte der bekennende „Landmensch“ Bohlen. „Da war die Welt noch wirklich total in Ordnung.“ Er habe zu seiner Frau gesagt: „Warum wohnen wir hier eigentlich nicht?“

Dem kann ich nur zustimmen: Wenn ich zu Hause aufwache schaue ich direkt auf die Weinberge und den Rhein. Aber auch die rheinische Art, dass man zusammenhält und gastfreundlich ist, ganz nach dem Motto: trink doch ene mit! Das geht bei uns im Gutsausschank natürlich besonders gut und man lernt dadurch die Menschen in der Region richtig kennen.

Ida Didinger
Ida Didinger
Didinger Boppard

Von Wanderern hört man immer wieder die Frage „wie es wohl sein muss“, in so einer Steillage zu schuften. Gibt es die Chance für Interessierte, mal eine Art Schnuppertag bei Euch zu machen und im Hang zu helfen?

Wir sind sehr stolz darauf, dass wir unsere Trauben noch mit heimischen Lesehelfern ernten können. Unser Team besteht einfach aus langjährigen Freunden die gerne wandern und draußen sind. Hier darf jeder gerne mal mithelfen. Bei der gemeinsamen Weinbergs Vesper und der Suppe danach im Weingut lernt man sich am Besten kennen.

Die Arbeit im Steilhang bietet ziemlich viele Herausforderungen. Trotzdem darf eine Portion Spaß sicher nicht fehlen. Hast Du zum Abschluss noch eine lustige Anekdote für uns über Deine Arbeit als Winzerin?

Vielleicht keine Anekdote, aber ein Wort zum Schluss:

Für meine Eltern war es immer wichtig, die Weine die wir herstellen auch in der Region und vor der Haustür im Gutsausschank zu vermarkten. Wenn man also nach einem langen Tag aus dem Weinberg nach Hause kommt und von unserer Seite in die Weinberge schaut ist man erstmal stolz. Wenn dann noch Gäste da sind, die einem sagen, dass die Weine gut schmecken und sie von der Region auch so begeistert sind wie wir, dann weiß man, dass man alles richtig macht.

Ida Didinger

Wandertipps rund um Boppard

Ich hatte ja oben bereits erwähnt, wir waren im Sommer unterwegs auf der Rheinsteig Etappe 12. Eine wundervolle, wenn auch anspruchsvolle Etappe des Rheinsteigs. Doch auch der Rheinburgenweg mit seiner Etappe 08 ist ein absolutes Highlight. Auf beiden Strecken wirst du wundervolle Ausblicke dank der steilen Kurve des Rheins bei Filsen haben.

Meine absolute Empfehlung ist es, beide Touren für ein Wanderwochenende zu kombinieren. Dafür startest du in Bad Salzig und gehst die Etappe 08 des Rheinburgenwegs nach Norden hoch. Nimm dann die Fähre nach Braubach, um dir in dem verträumten Städtchen eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. (Ich empfehle das Hotel Zum weißen Schwanen wenn du etwas authentisch uriges suchst) Am nächsten Tag beginnst du die Tour in Braubach und endest dann in Kamp-Bornhofen. Von dort aus kommst du dank der guten Zuganbindung gut den Rhein rauf und runter. Auf diese Weise bekommst du einen umfassenden Einblick in die Region mit zwei anspruchsvollen Wanderungen.

Fazit: Vielen Dank, Ida Didinger!

Felix Autor

Wir bedanken uns herzlich bei Ida Didinger für das nette Interview und die Bilder des Weingut Didinger welche uns zur Nutzung für dieses Interview zur Verfügung gestellt wurden.

Wem das Interview gefallen hat kann hier noch ein Interview mit Karin Hünerfauth lesen. Karin hat das Projekt „Rheinsteig“ geleitet und konzipiert.